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Archiv für den Monat August 2014

Russischer Militärkonvoi in der Ukraine – alles erstunken und erlogen

Das braucht keinen eigenen Kommentar mehr:

„Wie notwendig der “Mut zur Wahrheit”… ist, zeigte sich erst wieder am Freitag letzter Woche: Zuschauern und Lesern westlicher Medien  im Westen wurde suggeriert, in der Ostukraine sei der offene Krieg mit Russland ausgebrochen. Eine Meldung von der teilweisen Vernichtung eines “russischen Militärkonvois” auf ukrainischem Gebiet durch die ukrainische Armee wurde in Eilmeldungen kolportiert. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen “bestätigte” in seiner üblichen Rambo-Art umgehend den “Einfall” der russischen Armee in die Ostukraine. Die Amerikaner sprachen ebenfalls von einer “russischen Militärintervention”. Weltweit stürzten die Aktiennotierungen ab. Selbst die vermeintlich seriöse Frankfurter Allgemeine Zeitung hatte am Samstag als Hauptschlagzeile auf ihrer Titelseite: “Ukrainische Truppen greifen russische Militärfahrzeuge an”.

Mittlerweile ist klar: Alles erstunken und erlogen. Der “Spiegel” ruderte immerhin zurück, wenn auch halbherzig.

In der FAZ von heute hieß es dagegen lapidar: “Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa teilten mit, sie hätten keine Beweise für den Vorgang finden können.”

Das war’s dann auch schon. Entschuldigung: Fehlanzeige. Das Sätzchen versinkt im neuen Aufmacher-Artikel der FAZ mit dem Untertitel: “Klimkin: Gefahr russischer Invasion allgegenwärtig”. So geht das: Eine Lüge ist peinlich aufgeflogen – da wird schon die nächste Lüge draufgesattelt, damit niemand es merkt“ (Elsässer)..

„Und es wird immer schwieriger, in diesem Krieg in der Ostukraine Wahres von Unwahrem zu unterscheiden. Darin liegt eine zusätzliche Gefahr, dass der Konflikt völlig außer Kontrolle gerät“ (Spiegel online).

„Feldzug gegen Kiew“ und Überläufer im Donbass

Ultimatum an Poroschenko: „Rechter Sektor“ droht Kiew mit Feldzug

Rekruten des Freiwilligen-Bataillons "Asow" in Kiew

Die ukrainische Nationalistenorganisation „Rechter Sektor“, die die Regierungsarmee bei den Gefechten gegen Regimegegner im Osten des Landes bislang unterstützt, hat der Führung in Kiew mit einer bewaffneten Offensive gedroht, wenn diese ihre Forderungen nicht erfüllen sollte.

In einer am Samstagabend veröffentlichten Erklärung forderte der „Rechte Sektor“ Präsident Pjotr Poroschenko ultimativ auf, binnen 48 Stunden alle festgenommenen Mitglieder der Bewegung freizulassen und die Ermittlungen gegen sie einzustellen. Auch sollten die Behörden die „rechtswidrig beschlagnahmten Waffen“ zurückgeben sowie alle „anti-ukrainischen Kräfte“ aus dem Innenministerium entlassen. „Wenn unsere Forderungen binnen 48 Stunden nicht erfüllt werden, werden wir gezwungen sein, unsere Kampfverbände von der Front abzuziehen, Reservistenbataillone zu mobilisieren und einen Feldzug auf Kiew zu beginnen.“

Der „Rechte Sektor“ hatte zu Jahresbeginn an den Krawallen auf dem Kiewer Protestplatz Maidan teilgenommen. Nach dem Februar-Umsturz kämpfen seine Schläger auf der Seite der Regierungsarmee gegen die Regierungsgegner im Osten der Ukraine. In der vergangenen Woche hat die Kiewer Polizei nach eigenen Angaben 35 mutmaßliche Maidan-Aktivisten wegen bewaffnetem Überfall auf ein Restaurant in der ukrainischen Hauptstadt festgenommen.


Sachartschenko, Premierminister der Volksrepublik Donezk, erklärt
„WIR HABEN GENUG ERBEUTETE BEWAFFNUNG FÜR UNSEREN SIEG“
übersetzt von Jens-Torsten Bohlke
Donezk, 16. August 2014. LiveNews.ru–   Laut Alexander Sachartschenko  laufen immer mehr ukrainische Truppenangehörige zur Volksmiliz im Donbass über. Die Volksarmee der Volksrepublik Donezk nahm nach seinen Worten mehr Angehörige der ukrainischen Armee gefangen, als sie als Überläufer im verfügbaren Zeitraum überhaupt aufnehmen konnte.
„Die Ukrainer führten sich auf, als ob wir nicht genug Zeit für das Rekrutieren hätten und deswegen ihren Truppenbestand einbringen wollten. Aber wenn Menschen kampfbereit sein wollen, zählt erst einmal, warum die Kampfmoral ihrer Genossen nicht gestiegen ist. Zweitens zählt, dass wir Freiwillige aus etlichen Ländern haben: Viele Türken, Serben, Italiener, Deutsche haben wir. Es gibt Einwanderer aus Russland unter uns.“ Aber das sind ethnische Ukrainer, we Sachartschenko im LifeInterview erklärte.
Laut dem Premierminister gibt es in den sich zur Unabhängkeit erklärenden Republiken keine Einheiten in einer Truppenstärke von 1000 Angehörigen und mehr, aber es gibt zahlreiche Unterstützer, die gegen die ukrainischen Bataillone zu jedem Kampfeinsatz bereit sind.
„Es gibt auch jene Überläufer aus den Resten ukrainischer Soldaten, einschliesslich von Offizieren. Und unter ihnen sind sehr interessante Spezialisten, die weder ukrainisch noch russisch sprechen, starke Kerle, gut ausgebildet, militärisch sehr geeignet“, erklärte der Premierminister der Volksrepublik Donezk.
Er sagte auch, dass die vom Oligarchen Kolomojskij geführten Sodaten der faschistischen Nationalgarde den Hilfsgüterkonvoi aus Russland für Donezk und Lugansk vernichten wollen. Aber sie wurden ausser Gefecht gesetzt, niedergekämpft. Laut ihm braucht das Volk dringend Medikamente, Nahrung und Kleidung.

Es geht um Frieden oder Krieg

Es geht um Frieden oder Krieg. Um nicht mehr und nicht weniger. Und das sollte eigentlich genügen.“

Gefunden:

 DER SPIEGEL ignoriert Kritik an seiner Berichterstattung. Doch der Widerstand der Leser wächst. Am Donnerstagabend gab es eine Demo vor dem Redaktionsgebäude in Hamburg: „Stoppt die Kriegspropaganda – empört euch JETZT!“

Folgender Brief (einer von vielen) wurde an die SPIEGEL-Redaktion geschickt als Reaktion auf „STOPPT PUTIN JETZT“ – damit er nicht ignoriert wird, wurde er im „Gelben Forum“ veröffentlicht und jetzt auch hier:

Guten Tag Herr Büchner, guten Tag Spiegel-Redaktion,

wenn Ihnen daran liegt, dass ich und mit mir zahlreiche andere Ex-Spiegelleser wieder mit ehrlichem Interesse den Spiegel kaufen und lesen, dann kann ich Ihnen ein paar Tipps in Form von Fragen geben, die meines Erachtens im Moment im Spiegel gestellt werden müssen, auch wenn das ihrer momentanen Propaganda-Linie zuwiderläuft. Aber wer noch mit wachem Verstand journalistische Grundsätze hochhält, kommt um diese Fragen nicht herum.

Hier fünf Angebote:

1) Warum erfahren wir nichts über die Auswertung des Flugschreibers von Flug MH17?

2) Warum dauert die Auswertung so ungleich länger als die Auswertung des Flugschreibers der Maschine, die über Mali abgestürzt ist?

3) Warum haben sich allein die Briten so schnell in den Vordergrund gedrängelt, um die Blackboxes an sich zu nehmen, wo doch die allgemeine Forderung bestand, eine internationale Kommission solle die Flugschreiber auswerten?

4) Warum erfahren wir nichts über die vom ukrainischen Geheimdienst beschlagnahmten Gesprächsmitschnitte zwischen MH17 und den ukrainischen Fluglotsen kurz vor dem Absturz/Abschuss?

5) Warum erfahren wir immer noch nicht, wer die Schüsse auf dem Maidan in Kiew zu verantworten hat?

Zu MH17:

Das Schweigekartell über die Flugschreiber von MH17 stinkt gewaltig zum Himmel.
Frage an Sie alle zur Einschätzung: Würden die Briten (bei denen die Flugschreiber sicherlich in bester Obhut sind…) mit der Veröffentlichung wohl so lange zögern, wenn die Flugschreiber deutlich nahelegten, dass die Separatisten oder gar die Russen den Absturz/Abschuss zu verantworten haben? Was meinen Sie, Herr Büchner? Was meinen die Damen und Herren Spiegel-Mitarbeiter?

Oder anders gefragt: Würden die Briten schonungslos und ganz offen darlegen, wenn die Ergebnisse der Flugschreiber nahelegen, dass doch eher die Ukraine eine Verantwortung an dem Unglück trägt? Was glauben Sie? Würden die Briten das ganz offen bekanntgeben?

Oder würde man sich hinreißen lassen, mit der Preisgabe dieser Informationen vielleicht doch lieber so lange zu warten, bis MH17 niemanden mehr interessiert, weil inzwischen eine ganz neue „Bombe“ hochgegangen ist? Wenn man Putin endlich dazu gebracht hat, in den Osten der Ukraine einzumarschieren? (Die Blackwater-Söldner werden ihre Aufgabe sicherlich professionell umsetzen.)

Wollen Sie als Journalisten wirklich wieder dieselbe Schuld auf sich laden wie beim Irak-Krieg 2003/2004?

Erst als damals das Kind in den Brunnen gefallen war, platzte die Bombe, und die USA mussten eingestehen, dass Saddam keine Massenvernichtungswaffen besaß. Und die Medien schauten tropfnass aus der Wäsche und sahen so elend dumm aus, wie man nur aussehen kann, wenn man all seine heeren journalistischen Grundsätze über Bord geworfen hat, und wenn man erleben muss, wie der eigene Berufsstand seine Ehre und seine Ethik verliert. Und dafür müssen bis heute tausende Menschen im Irak sterben, dafür steht die ganze Region immer noch in Flammen. – Und ausgerechent die USA empören sich über angebliche Völkerrechtsverstöße bei einer Volksbefragung auf der Krim?

Wie laut sollen wir noch über all das lachen?

Wenn es Krieg in Europa gibt, dann ist nicht nur Russland schuld daran (und ich würde NIE behaupten, Putin wäre überhaupt nicht Schuld daran). Die Schuldigen für diesen Krieg, den ich leider kommen sehe, sehe ich in gleichem Maße bei den USA, weil Washington schon seit den 90er Jahren nicht mehr auf Verständigung und Kooperation setzt, sondern nur noch auf knallharte Interessen- und Machtpolitik. Selbst die EU ist auf diesen Kurs eingeschwenkt. Es war die EU, die die Ukraine vor die Entweder-Oder-Frage gestellt hat – ein Land, dessen Zukunft sich ganz ohne Russland überhaupt nicht denken lässt, es sei denn man WILL die Konfrontation mit Moskau.

Und dabei wäre es die Aufgabe der EU gewesen, hier zwischen Moskau und Kiew zu vermitteln und eine gemeinsame Zukunft zu erarbeiten, die jetzt allen drei Akteuren gut zu Gesicht stehen könnte.

Stattdessen diese elende EU-Expansionsnummer auf Kosten anderer. Russland hat von allen Mächten noch den geringsten Expansionsdrang. Imperialistisches Streben sehe ich inzwischen vielmehr in Brüssel und Washington. Und wer sich endlich mal die Augen waschen würde, würde das auch ganz klar erkennen. Es ist wie der Elefant im Raum, über den niemand spricht. Nur Helmut Schmidt hatte den Mut, den Elefanten zu benennen: „Die EU ist größenwahnsinnig. Wir haben in der Ukraine nichts zu suchen!“ Wie der Mann doch recht hat!

Und deshalb ist auch der westliche „Qualitätsjournalismus“ schuld am kommenden Krieg. Spätestens seit US-Reporter sich karrieregeil als Kriegsreporter haben einbetten lassen, geht dieser Berufstand vor die Hunde. Mehr und Mehr. Aber man ist betäubt, man gehört jetzt dazu: zu den ThinkTanks, wo man sich bei leckerem Häppchen die Welt erklären lässt; man wird sogar vom amerikanischen Botschafter zum Essen eingeladen – hmm. Edel. Warum soll man dann noch mit professioneller Distanz über die USA und über das so hoch gehaltene transatlantische Bündnis berichten? Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Sollen doch die Bürger denken wie sie wollen.

Wer nicht so denkt wie die Elite, ist es ja gar nicht wert, beachtet zu werden. Und die Leser werden das schon alles schlucken, was wir ihnen im wahrsten sinne vor-schreiben. Kritiker darf man heute als Verschwörungstheoretiker brandmarken, dann ist Ruhe im Karton. Wo kommen wir denn hin, wenn hier jeder Hinz und Kunz kritische Fragen stellen darf. Das Recht haben nur wir, als „Stumrgeschütz der Demokratie“. Und wir bestimmen auch, welche Fragen genehm sind und welche nicht. So einfach ist das.

Ja, so einfach scheint das zu sein. Aber das Blatt wendet sich, das sollte Ihnen nicht entgehen. Der Unmut steigt, und ich persönlich muss sagen: Ich war noch nie so wütend über die offensichtlich gelenkte Berichterstattung unserer Medien.

Noch kündigen wir nur unser Abo oder lassen Spiegel, FAZ und SZ immer öfter am Kiosk liegen. Aber das ist nur der erste Schritt. Ich bin kurz davor, zum ersten Mal auf die Montagsdemos zu gehen, die Sie bislang so überlegen lächelnd ignorieren. Noch scheue ich mich ehrlich gesagt, aber ich frage mich inzwischen, auf welcher Seite sich eigentlich die größeren Idioten versammeln.

Deshalb, um zum Schluss zu kommen: Nehmen Sie Ihren Job wieder ernst. Stellen Sie die Fragen, die jetzt wirklich zu stellen sind. Es geht um Frieden oder Krieg. Um nicht mehr und nicht weniger. Und das sollte eigentlich genügen.

Ihr XXX

Quelle: http://www.mmnews.de/index.php/politik/19349-mh17-putin-brief-an-spiegel